Commons. Eine Antwort auf die Umbrüche unserer Zeit (1/x)

Commons sind aus meiner Sicht eine Antwort auf die großen Umbrüche unserer Zeit: im politischen Denken und der politischen Ordnung, in der Kultur, in der Technologie, mit Blick auf die energetische Basis unseres Lebens und Tuns & in dem, was gemeinhin Wirtschaft genannt wird. Ich werde ab jetzt Argumente sammeln, um diese These zu begründen und bin für jede weitere Anregung hier in den Kommentaren oder an info@commonsblog.de dankbar.

1. Commons helfen politische Programmatik neu zu denken

Nehmen wir zum Beispiel die aktuelle Situation der Grünen. Was fehlt den Grünen am meisten? Ein überzeugendes Narrativ! Also mehr als eine Idee (Umwelt schützen). Es fehlt ein Narrativ das für sich spricht und in unterschiedlichen Lebensbereichen seine Kraft entfalten kann. Der Verweis auf eine Kernkompetenz im Parteienwettstreit, die sich zudem fast alle andere Parteien auch ins Programm geschrieben haben, werden sie zwischen Merkel und Schulz aufgerieben. Alte Konzepte mit dem jeweils vielversprechendsten Wahl-Partner anzubieten ist zu wenig. Dabei hätten Grüne die Möglichkeit, überzeugend an einem Narrativ zu arbeiten, das drei große ideengeschichtliche Stränge zusammenführt: A: Nachhaltigkeit (nimmt man ihnen sowieso ab); B. Freiheit (nimmt man ihnen ab), C. Fairness bzw. Gerechtigkeit (nimmt an ihnen eher nicht ab).

Commons sind der Versuch, den drei großen Erzählungen von Freiheit, Fairness und Nachhaltigkeit gleichermaßen gerecht zu werden.

2. Commons zielen auf das, was politischer Programmatik zu Grunde liegt

Es geht im Kern nicht um eine andere Politik, sondern um eine andere Kultur, auf der eine andere Politik aufsetzen könnte. Um das etwas drastisch ins Bild zu setzen: Donald Trump hat gezeigt: es bedarf keines politischen Programms, nicht einmal einer Vorstellung von „policy“ und „policy making“, um Präsident der USA zu werden und die Weltpolitik aufzumischen. All dem liegen andere Grundbegriffe, Menschenbilder und Prägungen zu Grunde, die sich ausdrücken in einer anderen Redeweise – etwa das „Muss-Mal-In-Die-Welt-Posaunt-Werden“ vs. „political correctness“. Das Posaunen erreicht die Menschen, die eine ähnliche Prägung haben, so wie das Rote Baseballcap aus Trumps Wahlkampf die Leute im Rust-Belt der USA erreicht und für die Trump-Wahl mobilisiert hat, ohne das das je explizit hätte gesagt werden müssen. Dieser Kultur des Ausgrenzens und Angreifens, des Polterns und Posaunens kann nur mit einer Gegenkultur begegnet werden – im Gestalten und Handeln, im Reden natürlich auch.

Commons drehen sich nicht vordergründig um ein anderes Wirtschaften, sondern um eine andere Kultur. Einer Kultur, die den Gedanken der Freiheit in Verbundenheit zum Kern hat und daraus andere Formen der Wirtschafts- und Gesellschaftsgestaltung ableitet.
3. Weniger Bullshitjobs, mehr Sinn und das „Ganze der Arbeit“

Arbeitsplätze sind seit mindestens zwei Jahrhunderten Zünglein an der politischen Wage. Doch es ist vorbei mit Wachstum und Reindustrialisierung 2.0. Die alte Welt kommt nicht zurück. Weder Trump, noch Sanders noch Schulz, weder rechts noch links können die Ära industrieller Produktion wiederbeleben um genug Arbeitsplätze für alle zu schaffen. Zudem wäre es weder umwelt- noch sozialpolitisch wünschenswert. Lohnarbeit für entfremdete Zwecke – den Konsum der Anderen – muss nicht unbegrenzt fortgesetzt werden! Wenn also überhaupt „Re-industrialisierung“, dann auf der Grundlage drei emanzipierender Ideen: 1. commons-basierte Eigentumsregime, 2. netzwerkbasierte Produktion und 3. freies Wissen. Kosmo-lokale Produktion nennt das Michel Bauwens (P2P Foundation) – und greift damit ein bisschen weit nach den Sternen. Dabei geht es nur um den Verweis auf eine

Vision, die nicht nur den Industriearbeiter/innen eines Staates nützt, sondern den Menschen in aller Welt: dank der Reziprozität und Interoperabilität in Commons (-Infrastrukturen).

Soviel für’s Erste.

4 Gedanken zu „Commons. Eine Antwort auf die Umbrüche unserer Zeit (1/x)

  1. Commons bieten Antworten auf die Frage „Was tun?“.

    Ohne die Mehrheit zu überzeugen und ohne sich Kämpfen mit institutionalisierten Hierachien zu stellen kann sich durch Commons die Welt nachhaltig verbesseren. Commons haben das Potential sich ihre Wirkmacht im Alten zu erwachsen.

  2. Am liebsten würde ich direkt in Betriebe gehen und mit den Menschen dort zusammen auf Commons-Prinzipien umstellen. Wenn wirklich viele Betriebe intern auf Commonsprinzipien umgestellt hätten, dann würden sich die Menschen darin irgendwann von selbst fragen: „Warum sollen wir außerhalb der Firma eigentlich auf Konkurrenz machen ? Das passt doch gar nicht mehr.“

    • Auf Commons-Prinzipien umstellen geht leider nicht in den Betrieben, solange die dort arbeitenden Menschen Lohn- und Gehaltsempfänger*innen sind. Unabhängig davon, wie sie sich subjektiv im Betrieb verhalten und wie sie sich selber sehen, bleiben sie objektiv von einander getrennte, in gegenseitiger Konkurrenz um den Arbeitsplatz zueinander stehende Menschen. Sie können weder darüber bestimmen was sie produzieren noch wie. Ein wesentlicher Inhalt von Commons ist Gemeineigentum. Sie verfügen aber nicht über den Betrieb. Einige wenige moderne Firmen, meist in der Medienbranche, ermöglichen ihren Angestellten viel Kooperation und Entscheidungsbefugnis im Rahmen ihrer Projekte. allerdings nur, wenn es den Eigentümer*innen der Firma auch mehr einbringt. Das stärkt das Wir-Gefühl und bringt sie Menschen dazu, mit Elan und Freude über das Limit ihrer Gesundheit zu gehen.

      Es hat auch schon zahlreiche Übernahmen von Firmen durch Belegschaften gegeben, meist nach einer Pleite. Dabei haben die Arbeitenden schnell gemerkt, dass sie es sich nicht aussuchen können, ob sie gegen andere Firmen konkurrieren wollen oder nicht. Der Markt zwingt sie gnadenlos dazu, bei Strafe des Untergangs. Um eine auf Commons basierende Gesellschaft zu begründen, wird auch eine allgemeine Programmatik benötigt, die auf die Aufhebung der Marktwirtschaft abzielt. Das ist derzeit mit keiner der im Parlament vertretenen Parteien zu haben.
      Beste Grüße,
      Andreas

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