Wer Politik verändern will, muss über Ontologien reden

„Praktiken sind ohne die darunterliegende Weltsicht leblos.“ schreibt Fréderic Laloux. Und diese Weltsichten sind immer da. Nur machen wir sie uns oft nicht bewusst. Wir nehmen sie hin. So wie wir hinnehmen, dass die Erde uns trägt, wenn wir einen Fuß vor die Tür setzen. Wahrscheinlich würden wir verrückt, wenn wir täglich den Grund hinterfragten, auf dem wir stehen: unser ganz grund-legendes Weltverständnis. Das heißt: unsere Art über das Sein, das Menschsein, das Welt-Sein zu denken – Grundannahmen darüber im Kopf zu haben. Die Philosophinnen nennen das Ontologie.

Doch genau das ist nötig: Von Grund auf ver-rückt zu werden und zwar indem wir die Grundlagen, aus denen wir Praktiken ableiten im Wortsinne ver-rücken. Sonst wird das nichts mit einer enkeltauglichen Politik. Schließlich ist auch diese nur eine Praxis und „ohne die darunterliegende Weltsicht leblos“.  Die Weltsicht erst haucht ihr das Leben ein, welches wiederum – wie wir aus der Politik wissen – Leben vertiefen oder aber Leiden hervorbringen kann.

Ein Beispiel: Wenn ich davon ausgehe, dass die Menschen „individuelle Nutzenmaximierer sind„, statt zu begreifen, dass sie das unter bestimmten Bedingungen werden – kann ich ein Bedingungsloses Grundeinkommen nicht einmal denken. Gehe ich hingegen davon aus, dass alle Menschen ein schöpferisches Potential und ein reales Bedürfnis haben, teilzuhaben und aktiv tätig zu sein, dann ist Bedingungsloses Grundeinkommen ein Mittel der Wahl.

Wie sagte schon Peter Drucker: „The greatest danger in times of turbulence is not the turbulence―It is to act with yesterday’s logic.“ Ich würde sagen: Die größte Gefahr in Zeiten gesellschaftlicher Verwerfungen ist, den Dingen nicht auf den Grund zu gehen. Denn eine andere Politik, eine Politik für mehr Lebendigkeit ist mit einer statischen, individualistischen und undifferenzierten Ontologie nicht zu machen. Kurz: wir brauchen einen „ontoshift“.  Alles andere ist unpraktisch und strategisch unklug.
(PS: Commons basieren auf einer sogenannten relationalen und differenzierten Ontologie).

2 Gedanken zu „Wer Politik verändern will, muss über Ontologien reden

  1. Das Problem liegt weniger in der Frage, ob wir einen „ontoshift“ a la Helferich brauchen, sondern in der Frage: Wie gehen wir vor, wenn wir ein „Grundeinkommen denken“ wollen? Ist nicht das Grundeinkommen der vermutlich letzte Schritt dazu? Der steinige Weg dahin führt vorher über die Transformation unserer egoistischen Wettbewerbsgesellschaft hin zu einer altruistischen, ganz anders funktionierenden Solidar-Gesellschaft. Oder jeder gutgemeinte Versuch ist von vornherein zum Scheitern verurteilt. Allerdings ist es richtig, angesichts der digitalen Revolution die Voraussetzungen jetzt zu diskutieren und in die politische Debatte einzubringen.

  2. Oh, einen Onto-shift à la Helfrich brauchen wir sicher nicht, weil es eine „Ontologie à la Helfrich“ gar nicht gibt :-). Allerdings habe ich einen Vorschlag gemacht wie vorzugehen ist: auf die Grundannahmen schauen, auf denen Politik beruht. Wenn man begreift, warum Viele BGE gar nicht denken können, kann man über diese Denkblockaden reden, statt über das BGE, sie vielleicht überwinden und dadurch BGE etwas möglicher machen. (Mir geht es hier aber nicht ums BGE, das war nur ein Beispiel.)

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