Kapitalismus aufheben

Sutterluetti_Meretz_Kapitalismus_aufhebenWenn Ihr verstehen wollt, warum Utopien nicht einfach nur eine Rhapsodie des vermeintlich Guten sein dürfen (um mal Kant zu paraphrasieren); warum sie also nicht zusammengeschustert gehören, sondern ein solides kategoriales Fundament brauchen, dann lest dieses Buch.

Darin laden Simon Sutterlütti und Stefan Meretz ein – beide im Commons Institut aktiv -, den Kapitalismus aufzuheben indem wir über Utopie und Transformation neu nachdenken. Und indem wir uns darauf einlassen Theorien zu durchdenken, weil das praxisrelevant ist. Mehr als wir denken.

„Unsere alltäglichen Theorien sind so alltäglich geworden, dass sie uns nicht mehr wie Theorien erscheinen“ (S.13)

Der Fisch stinkt vom Kopf her, weiß der Volksmund.

So müßig das Durchdenken mitunter erscheint (Kompliment für die gelungene Lesbarkeit des Ganzen!), bleibt festzuhalten: wenn das, was wir Anders machen wollen, nicht gedacht werden kann, kann es auch nicht gemacht werden. Oder andersrum: wenn wir nur machen, rumprobieren, flickschustern, aber nicht gründlich darüber nachdenken wie wir zunächst und zugleich die Ideengebäude zum Einsturz bringen, die das ganze ökonomizistische Unheil verursachen, dann bleibt das Gute Leben bestenfalls auf der individuellen Yogamatte oder der grüppchenbezogenen Insel.

Also auf, Hirn anstrengen und kategoriale Utopien nachvollziehen – solche, die von der Grundlegung unserer Weltgestaltungen her gedacht sind und damit in der Lage, das Ganze in den Blick zu nehmen und auf Konsistenz zu überprüfen. Nur solche Utopien können zeigen, was Menschen möglich ist, und die Transformationspfade weisen, über die das Mögliche wirklich werden kann: für eine freie, faire und lebendige Welt.

Denn eine freie Gesellschaft entsteht weder spontan, noch ist sie Ergebnis eines Entwurfs am Reißbrett. Sie kann nur von sich befreienden Menschen selbst geschaffen werden. (Klappentext)

Hier geht’s zum Buch. Und demnächst auch hier zu einer Diskussionsseite, wo u.a. ein Zusatzkapitel zu den Transformationsideen des us-amerikanischen Soziologen Erik Olin Wrigth erscheinen wird.

Mehr von den Autoren selbst über das Buch gibt es hier zu lesen.

Simon Sutterlütti / Stefan Meretz: Kapitalismus aufheben.
Eine Veröffentlichung der Rosa-Luxemburg-Stiftung

256 Seiten |  Juli 2018 | EUR 16.80

8 Gedanken zu „Kapitalismus aufheben

  1. „…Denn eine freie Gesellschaft entsteht weder spontan, noch ist sie Ergebnis eines Entwurfs am Reißbrett. Sie kann nur von sich befreienden Menschen selbst geschaffen werden.“

    Eine total un-sinnige Aussage.
    Von WAS sollen sie sich denn befreien, vom Wohlstand? Und die Loesungen sollen wie, und aus was entstehen?

    Die Autoren scheinen wenig Ahnung von Nationaloekonomie zu haben – ebenso wenig wie von den Werken von Marx, Proudhon u.a.
    Da fhlt schon mal die gesamte Grundbildung der Geschichte….

  2. @alphachamber : Sekunde, nur damit ich das verstehe: Sie entnehmen jetzt wirklich aus einem Satz (dessen Unsinnigkeit ich nicht erkennen kann) wovon die Autoren Ahnung haben? Wow! Ich beneide Sie aufrichtig um Ihr Selbstbewußtsein.
    PS. meines Wissens nach ist Stefan Meretz ein ziemlich guter Marx und Hegel-Kenner, ein ausgewiesener Holzkamp Experte noch dazu. Aber das finden Sie alles im Netz.

  3. Hallo und Danke fuer Ihre Replik.
    Wir (unsere Gruppe) haben uns ueber viele Jahre mit dem Thema auseinandergesetzt, auf oekonomischer und gesellschaftlicher Basis.
    Ja, unser Vor-urteil stammt von Ihrer kurzen Rezension, den Zitaten und Ansatzpunkten.

    Wenn Sie sich unseren Fragen (oben) stellen, dann entdecken auch Sie den Widersinn in dem Zitat.
    Das gesammte Konzept des Gemeinnutzens mit seinen verschiedenen Varianten, im Altruismus, Fourierismus, Syndikalismus, Fabianismus, usw. bis zu den sozialistischen/kommunistischen Spielarten wurden von den groessten Denkern unseres Jahrtausends versucht (siehe z.B. Streit Marx vs. Proudhon)

    Die Bemuehungen um gerade solch komplexer Probleme – die sich uMn auf ewig in palliative Selbstgefaelligkeit erschoepfen – benoetigen eher systematische, konzeptuelle Anwendung heuristischer und algorithmischer Systeme.

    „…Also auf, Hirn anstrengen und kategoriale Utopien nachvollziehen…“ Aber keine Spontanitaet, oder „Reissbretter“. Also nach welchem Denkverfahren? Und wie und von was sollen sich Menschen erst befreien? Wenn man die unterschiedlichen Kultren bedenkt, die total unterschiedliche „Befreiungsaktionen“ erforderten? Und: „befreinen“ wir uns erst und denken dann oder umgekehrt?

    Das mag ja alles in dem Buch stehen. Ich werde es nicht kaufen,
    Waere aber dankbar, wenn Sie mit den Kern-Postulaten antworten koennen.
    HG

    • @alphachamber: kurz: das ist keine Rezension (mir fehlt leider gerade die Zeit dafür), sondern nicht mehr als eine Einladung, sich mit dem Denken von Stefan Meretz und Simon Sutterlütti auseinanderzusetzen.
      Das Konzept des „Gemeinnutzens“, Gemeinwohls etc kommt m.W. im ganzen Buch nicht vor.
      Die Autoren geben hier eher eine „systematisch konzeptuelle“ Antwort, indem sie eine grundlegende/kategoriale Arbeit machen.

      • Commoning und Aufhebung des Kapitalismus hat also nichts mit Gemeinnutzen zu tun…
        Sorry, wir scheinen im falschen Raum gelangt zu sein.

    • Das ist eine Antwort auf den untenstehenden Kommentar; es gibt gerade in Problem mit der Antwortfunktion:
      Versuchen Sie’s vielleicht doch mit Lesen und verfassen Sie dann eine Rezension. Ich schrieb, dass das Konzept m.E. im Buch nicht vorkommt. Ich schrieb NICHT – „hat nix mit Gemeinnutzen“ zu tun. 🙂 ok?

  4. Liebe Silke,

    seit ner Weile hab ich DeinenBlog abonniert. Seltsamerweise kam ich erst heute (1001 Sachen eben um die Ohren) darauf, Dich zu fragen, ob ich Dich in unseren Wandelblog-Verteiler aufnehmen darf. Dorthin schicken wir – das heißt ökoligenta (s. unten) – nur wandelrelevante Infos.

    Danke schon mal für Deine Antwort!

    LG, Bobby

    Ach: Auf Deinen Blog(beitrag) hab ich eben in der Ökoligenta-Facebookgruppe hingewiesen: https://www.facebook.com/groups/662031490808038

    *———————————————- ökoligenta* Bobby Langer Würzburg Tel.: 0931-2707685 mobil: 0170-7539993 http://www.ökoligenta.de

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